Erste Hilfe bei Hund und Katze

Was macht gesunde Hunde und Katzen aus?
– regelmäßige Impfung, Entwurmung, Floh und Zeckenprophylaxe
– mind. 1x im Jahr Kontrolle durch Tierarzt, rechtzeitige Altersvorsorge
– Haustierarzt ist wichtig, steht auch für telefonische Anfragen bereit

Generelle Vorsichtsmaßnahmen:
– Gehorsam, Anleinen, im Auto anschnallen, Rückstrahler, Taschenlampe, Trinkwasser, Erste-Hilfe-Tasche, Decke mitführen

Die häufigsten Probleme:
– Verkehrsunfälle, Bissverletzungen, Schnittverletzungen, Sturz, Kreislaufversagen

Was ist „Erste Hilfe“?
– Maßnahmen bis zur Behandlung durch einen Tierarzt
– Abschätzen, ob Eingreifen notwendig, ob tierärztliche Hilfe nötig

Grundsätze:
– Ruhe bewahren
– Situation einschätzen: Gefahren erkennen, an eigene Sicherheit denken
– überlegt Handeln: Erste Hilfe vor Ort, ist besser als nichts zu tun
– Telefonnummer des Haustierarztes, der Tierklinik bzw. des Notdienstes:
– Was ist passiert? Wie geht es dem Hund? Warten auf Anweisungen!

Vorgehen im Notfall:
Verkehrsunfall: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Unfallstelle absichern, Warndreieck aufstellen
Annährung an das Tier: vorsichtig, aber konsequent
Ansprechen: beruhigender Ton
Beobachtung:
– Reaktion auf Ansprechen
– abnorme Körperhaltung oder Gliedmassenstellung
– Fell verklebt, Verletzungen, Blutungen, Lecken, Schmerzäußerungen
– Brustkorb: regelmäßiges Heben und Senken, Tiefe der Atemzüge
– Absatz von Kot oder Harn

Anfassen:
– Wie reagiert der Hund?
– Eigenschutz: nach Unfall Hund sofort anleinen, evtl. Beißschutz: erst Schock, dann Schmerz, unkontrollierte Reaktionen möglich, Hund an Straßenrand bringen

Katzen:
– wenn ansprechbar, vorsichtig nähern, nicht verscheuchen
– in Tuch oder Kleidungsstück wickeln, wenn sie sich zu sehr wehrt
– im Nackenfell packen, wenn Vorderbeine schont
– im Nackenfell + hinter Vorderbeinen packen, wenn Hinterbeine schont
– in geschlossenem Behältnis transportieren, kann sonst wegspringen
– gut geeignet: Katzenkorb von oben, Wäschekorb mit Decke, großer Karton, Sportasche, Taxi vorher auf Tiertransport hinweisen
– kein Futter, falls beim Tierarzt eine Narkose notwendig ist

Fixierung / Lagerung / Transport:
– beim Hund Maulschlinge oder Maulkorb nur wenn notwendig
– nicht bei Bewusstlosigkeit, Hitzschlag, Atembeschwerden, Nasenbluten, Verletzungen am Fang, Kreislaufbeschwerden, Erbrechen
– Fixieren im Stehen: Arm um Hals + Arm unter Bauch + heranziehen
– Fixieren im Liegen: auf gesunde Seite + Beine über Rumpf festhalten
– Lagerung: bei Bewusstsein: Hund in der Haltung belassen, die er einnimmt, ansonsten auf rechte bzw. unverletzte Körperseite legen
– Transport:
Tragen: gesunde Seite zum Träger, verletzte Gliedmaßen hängen lassen; in Decke: nicht durchhängen lassen; im Auto: immer mit Begleitperson

Prüfen wichtiger Körperfunktionen:
– Bewusstsein: Ansprechen, Kneifen in die Pfoten
– Atmung: Heben + Senken des Brustkorbes, Atemluft an Nase: Regelmäßigkeit + Tiefe der Atemzüge (Frequenz: Hd. 10-30 / Ktz. 20-40)
– Kreislauf: Herzschlag: linke Seite Brustkorb, Puls: Innenschenkelseite: Regelmäßigkeit + Stärke (Frequenz: Hd. 60-120 / Ktz. 80-140)

Wie erkenne ich den Schock-Zustand?
– lebensbedrohliche Störung des Blutkreislaufes:
– Tier ist abwesend, Zittern, Beine kalt, Atmung flach + schnell, Herz rast, Schleimhäute sind blass bis weiß

Grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen:
– Bewusstlosigkeit / Kreislaufschock:
– Lagerung in rechter Seitenlage, Kopf strecken + nach unten + hinteres Körperteil hoch lagern; Maul öffnen und auf Schleim, Erbrochenes bzw. Fremdkörper kontrollieren; Blutungen stillen; Decke gegen Kälte
– bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen oder Beckenbruch: Tier wenig bewegen; Tierarzt anrufen: Schockbehandlung vorbereiten
– Atemstillstand: Beatmung:
– Atemwege frei machen, Zunge nach vorne ziehen, Kopf / Hals strecken, Maul schließen, mit Mund in Nasenlöcher Luft einblasen, Brustkorb beobachten, Luft entweichen lassen, Vorgang wiederholen
– Atem- und Herzstillstand: Wiederbelebung:
– Kombination aus Mund-zu- Nase-Beatmung und Herzmassage: Rhythmus: 2 Beatmungen + 10 Herzmassagen: rechte Seitenlage, hinter dem linken Ellenbogen an der seitlichen Brustwand:
– Welpen / Katzen: mit Zeigefinger + Mittelfinger leicht drücken
– kleiner Hund: linke Hand: Daumen gegen Finger drücken + mit rechter Hand den Rücken gegenhalten
– mittel bis großer Hund: beide Handballen übereinander drücken

Versorgung von Wunden:
Erste Hilfe-Ausrüstung:
– Kfz-Verbandskasten bzw. Erste-Hilfe-Set für Tiere
– Mullbinden und sterile Kompressen
– elastische oder selbsthaftende Binden
– Heftpflaster
– Dreiecktuch oder sauberes Tuch
– Polsterwatte
– alter Socken oder Pfotenschuh
– stumpfe Schere, Pinzette
– digitales Fieberthermometer
– Einweghandschuhe
– Coldpack (Kälte durch chemische Reaktion)

offene Wunden:
– sofortiges Stoppen bedrohlicher Blutungen: Druckverband (Mullbinde oder Tuch über Verbandspäckchen bzw. Taschentuchpackung verknoten)
– notfalls: Abbinden der Gliedmaße oberhalb der Blutung: alle 10 min für 1-2 min lockern, Kratzen + Lecken verhindern, Tierarzt anrufen!
– andere Wunden: Reinigung mit lauwarmen Wasser (keine Sprays, Puder, Salben, Desinfektionsmittel) sauberes Tuch, Mullkompresse (keine Watte)

geschlossene Wunden:
– schmerzhaft (schonen, belecken), geschwollen, vermehrt warm:
Hautabschürfungen abdecken, feucht-kalte Umschläge, Tierarzt

Verletzungen am Kopf:
– Kratzen verhindern, Erstversorgung, dann Kontrolle durch Tierarzt
– Auge: Ausspülen, Fremdkörper belassen, feuchte Mullkompresse
– Ohr: Verband bei Blutungen, Schütteln verhindern
– Nasenbluten: Reinigung: wo kommt Blut her? Nasenlöcher nicht verstopfen! Nasenrücken kühlen, Tier beruhigen

Verletzungen im Brust- oder Bauchbereich:
– Perforation: Brustkorb mit Folie abdichten
– Fremdkörper nicht entfernen, Hund in Haltung belassen, Wunde Reinigen, Mullkompresse, Mullbinde um Rumpf (nicht zu straff: Atmung!)
– stumpfe Verletzungen des Bauchraumes: innere Blutungen möglich: Röntgen beim Tierarzt

Verletzungen an den Beinen:
– Schnittverletzung an Pfoten: zwischen Zehen / Daumen / Ballen polstern, Kompresse, Binde, Pfotenschuh oder Plastiktüte gegen Nässe, Kontrolle durch Tierarzt, da Fremdkörper bzw. Infektion möglich
– Knochenbruch / Gelenksverletzungen: Abdecken mit feuchten Mullkompressen, Ruhigstellen: weich lagern, Polsterverband, kein Verband mit Schiene

Bisswunden:
– oft wenig Blut, im Fell versteckt, Wunden tief und infiziert, Tierarzt
– Name / Anschrift des anderen Tierhalters für Haftpflichtversicherung

Spezielle Notfälle:

Erstickungs-Anfälle, verschluckte oder gefressene Fremdkörper:
– stoßweise Atmung, würgen, schnappen nach Luft, Speicheln
– Maulhöhle auf Fremdkörper kontrollieren: Schnüre nicht herausziehen
– Fremdkörper in Atemwegen: Hund verkehrt herum hochheben und schütteln, in Seitenlage hinter Rippen in Bauch greifen + drücken
– Fremdkörper im Magen oder Darm belassen:  Tierarzt: Röntgen

Magendrehung:
– große Hunde, die mit vollem Magen springen oder sich wälzen:
– geblähter Bauch, Würgen, erfolgloses Erbrechen, flache Atmung, Pumpen, Panik, Kreislaufkollaps: Tierarzt /Tierklinik anrufen!

Hitzschlag:
– Hund kann nur Außentemperaturen bis 28°C durch Hecheln ausgleichen, dann legt er sich auf kalte Flächen oder befeuchtet sein Fell
– normale Körpertemperatur: 38-39°C, bei Aufregung bzw. Welpen auch mal bis 39,3°C
– Gefahr besteht im Auto, bei Anstrengung, Flüssigkeitsmangel
– Symptome: starkes Hecheln, schneller Puls, erhöhte Körpertemperatur, blasse Schleimhäute, Benommenheit, Festliegen, Bewusstlosigkeit
– Maßnahmen: kühler, schattiger Platz, frische Luft, Ruhe, Wasser anbieten (nicht mit Gewalt einflößen!), allmähliche Abkühlung über 30 min mit feuchten Tüchern, Wasser von den Beinen über den Rumpf zum Kopf

Erfrierungen:
– Rötung, Schmerz, Blasen, Taubheit (Penis, Hodensack, Zitzen, Ohren, Pfoten): betroffene Stellen massieren, Temperatur langsam steigern

Unterkühlung:
– zittert, fühlt sich kalt an, kann sich kaum bewegen
– trocken rubbeln, Rettungsdecke aus Kfz, innerhalb von 60 min auf Zimmertemperatur erwärmen, Körpertemperatur messen

Badeunfälle:
– aus dem Wasser bergen (eigene Sicherheit!), Zunge herausziehen, kopfüber halten + schwenken: Wasser aus Maul laufen lassen

Verbrennungen / Verbrühungen / Verätzungen:
– Wärmequellen, elektrischer Strom, Chemikalien:
– Haut rot (Hitze), weiß (Lauge), braun (Säure), Fell versengt / fällt aus
– Blasenbildung, Haut empfindlich, zieht sich zusammen, seifig, glitschig
– Verätzungen der Haut: Hände schützen, mit kaltem Wasser abspülen, Lecken verhindern, feuchte + kühle Kompressen, keine Salben / Puder
– Verätzungen der Maulhöhle nach unten ausspülen, nicht schlucken lassen!
– Stromschlag: Brandwunden im Maulbereich, Kreislaufprobleme, Krämpfe:
– Hund nicht berühren! Vorsicht bei feuchtem Gras! Strom abschalten!
– ansonsten Hund mit Holz oder Plastik wegschieben
– Kontrolle durch den Tierarzt, da Probleme oft erst später auftreten

Vergiftungen:
– eigene Sicherheit beachten: Handschuhe, bei Gasen: Frischluft
– bei Beobachten der Giftaufnahme: weitere Aufnahme verhindern, Verpackung sicherstellen, Tierarzt anrufen, Vergiftungszentrale München: 089.19240
– Wasser trinken lassen (außer bei Spülmittel), evtl. Kohletablette eingeben
– keine Milch oder Öle eingeben, nicht versuchen Erbrechen auszulösen!
– Giftstoffe von Haut abspülen, ablecken verhindern, keine Lösungsmittel!
– Verätzungen: abspülen, feucht abdecken, nicht lecken lassen!
– Symptome für nichtbeobachtete Giftaufnahme: Erbrechen, Speicheln, Schleimhautreizung, Durchfall, Zittern, Krämpfe, Unruhe, Atemnot, blasse Schleimhäute, Schwäche (bei Rattengift zunehmend über Tage), Tierarzt
– Vorbeugung: sicheres Aufbewahren von Medikamenten (auch Aspirin und pflanzliche Präparate), Schokolade, Zwiebeln, Avocado, Kaffee, Alkohol, Frostschutzmittel Glykol, Reinigungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Dünger, Rattengift, Schneckenkorn, Farbe, Kleber, Blei, Batterien
– giftige Zimmerpflanzen: Alpenveilchen, Chrysantheme, Weihnachtsstern
– giftige Pflanzen: Aronstab, Buchsbaum, Eibe, Efeu, Eberesche, Ginster, Goldregen, Herbstzeitlose, Mistel, Maiglöckchen, Oleander
– Tierarzt aufsuchen: Erbrechen einleiten sinnvoll innerhalb von 1-2 Std.

Krampfanfälle:
– Krämpfe, Zittern, Urin + Kotabsatz, oft Epilepsie: dauert nur Minuten
– Ruhe bewahren, nicht ins Maul fassen, Hund festhalten und beruhigen, vor Selbstverletzungen schützen, Reizquellen abschalten

Insektenstiche:
– Hund jault plötzlich auf, beißt / kratzt sich, Hautschwellung, Speicheln
– Atmung sichern, Stachel entfernen, kühlen, Wasser anbieten, beruhigen, beißen / kratzen verhindern, Hautentzündung versorgen
– bei allergischem Schock: sofort Tierarzt anrufen!
– Zecken: mit Zeckenzange am Kopf packen + durch Drehung entfernen
– Zeckenprophylaxe, um Übertragung von Krankheiten zu verhindern