Das Alter ist keine Krankheit – Geriatrie bei Hund und Katze

Glücklicherweise steigt die Lebenserwartung unserer Haustiere wie auch die der Menschen stetig an. Dies hängt mit den verbesserten Lebensbedingungen, der Fütterung und der gesundheitlichen Versorgung zusammen. Möchten Sie ungefähr wissen, wie alt Ihr Hund in Menschenjahren ist, multiplizieren Sie sein Alter mit dem Faktor 7, bei Katzen mit dem Faktor 5. Durchschnittlich werden Hunde 12 und Katzen 15 Jahre alt. In den meisten Fällen haben kleinere Hunde eine höhere Lebenserwartung als große. Ab dem 7. Lebensjahr zählt man unsere Hunde und Katzen zu den älteren Tieren. Auch wenn die Leistungsfähigkeit mit den Jahren abnimmt, sollten Sie nicht alle auftretenden Veränderungen als zwangsläufige Alterserscheinungen betrachten. Beobachten Sie Ihren älteren Vierbeiner im täglichen Zusammenleben etwas genauer. Ist der Hund etwa matt oder die Katze zunehmend ruheloser geworden? Besteht eine deutliche Gewichtszunahme oder eine Abmagerung? Wie ist es um das Fress- bzw. Trinkverhalten bestellt? Gibt es Veränderungen beim Absatz von Kot und Urin? Haut und Haare sind auch ein Spiegel der inneren Organe. Der Atem sollte nicht übelriechend sein. Wie steht es um die Belastbarkeit, treten gar Husten oder Kurzatmigkeit auf? Hat der Hund Probleme beim Aufstehen und springt die Katze noch aufs Fensterbrett?
Lassen sie ihre Tiere vorsorglich vom Tierarzt untersuchen, so können bereits erste Anzeichen von Erkrankungen erkannt und behandelt werden. Der Tierarzt beurteilt die Augen, die Ohren, die Zähne, das Fell, die Krallen und die Fortpflanzungsorgane. Er tastet den Körper nach Veränderungen ab und überprüft den Bewegungsapparat. Die Kreislauffunktion wird durch das Abhören von Herz und Lunge und durch das Fühlen des Pulses überprüft. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes kann weitere Aufschlüsse geben. Besondere Bedeutung kommt der geriatrischen Blutuntersuchung zu. Hierbei werden die Funktionen von Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse bestimmt, auch die Untersuchung auf die sogenannte Zuckerkrankheit ist möglich. Sind alle Blutwerte zufriedenstellend, können Frauchen und Herrchen beruhigt sein. Wenn Veränderungen feststellbar sind, gilt es der Ursache auf den Grund zu gehen und einen Behandlungsplan zu erstellen. Mit Hilfe geeigneter Diäten ist es möglich, die inneren Organe zu entlasten, Heilmittel auf natürlicher Basis können ihre Funktion unterstützen. Bestimmte Diagnosen erfordern den gezielten Einsatz von Medikamenten. In den letzten Jahren wurden viele erprobte Arzneien erfolgreich aus der Humanmedizin in die Tiermedizin überführt, so dass auch bei ernsthaften Erkrankungen eine verlängerte Lebensdauer bei guter Lebensqualität der Tiere erreicht werden kann.
Ein häufiger Grund für die Vorstellung in der Tierarztpraxis sind Lahmheiten. Der Umgebung wird bewusst, das sich vor allem größere Hunde zunehmend ungern bewegen, steif gehen oder stolpern. Hier liegen oft chronische Veränderungen an der Wirbelsäule und den Gelenken vor, die zu Schmerzen oder Missempfindungen führen. Ein rechtzeitiges Eingreifen ist gefragt, denn durch Schonhaltungen und Fehltritte verschlechtert sich die Situation. Der Bewegungsapparat und die Funktion der Nerven kann mit regenerierenden Zusatzfuttermitteln, modernen entzündungshemmenden Medikamenten und entsprechender Physiotherapie verbessert werden. Ziel ist es, die Tiere beweglich zu halten und damit ihre Lebensfreude zu erhalten.
Um so länger Tierhalter mit ihren Schützlingen zusammenleben, desto enger und eingespielter ist ihre Beziehung. Schleichende Alterungsprozesse können als abgeklärte Altersweisheit verstanden werden, es kann sich aber auch um eine Art Demenz handeln. Die Leistung der neuronalen Strukturen wird durch eine schlechtere Durchblutung und die veränderte Konzentrationen von Botenstoffen beeinflusst. Der sogenannte Altersstarrsinn kann durch nachlassende Seh- bzw. Hörfähigkeit bedingt sein. Die Umwelt sollte sich auf diese Veränderungen einstellen, die Tiere nicht über-, aber auch nicht unterfordern. Es gibt Medikamente, welche die Sinnensleistungen unserer vierbeinigen Senioren verbessern können.
Im Alter verschlechtert sich oftmals auch die Immunlage des Organismus, deshalb ist ein ausreichender Impfschutz und die regelmäßige Behandlung gegen Parasiten ratsam. Auch dies kann beim jährlichen Gesundheitscheck in Ihrer Tierarztpraxis überprüft werden.